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++03.11.2015 - wissenschaft-aktuell, Joachim Czichos++
Geringeres Asthmarisiko mit Hund ...

Ein enger Kontakt mit dem Haustier im ersten Lebensjahr eines Kindes senkt die Wahrscheinlichkeit einer späteren Erkrankung

Uppsala / Stockholm (Schweden) - Wer auf einem Bauernhof mit Viehhaltung aufgewachsen ist, erkrankt bekanntlich seltener an Asthma als Stadtkinder. Unklar blieb zunächst, ob ein Hund als Haustier ebenfalls mit einem geringeren Asthmarisiko verbunden ist oder aber die Krankheit noch begünstigt. In der bisher größten und aussagekräftigsten Studie zu diesem Thema haben schwedische Forscher jetzt ermittelt, dass ein enger Kontakt mit Hunden im ersten Lebensjahr die Wahrscheinlichkeit, mit sechs Jahren an Asthma zu erkranken, um 13 Prozent senkt. Dieses Ergebnis war unabhängig davon, ob die Eltern unter Asthma litten oder nicht, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt „JAMA Pediatrics”.

„Unsere Studie lieferte Resultate, die für die gesamte Bevölkerung Schwedens gültig und vielleicht auch auf andere europäische Länder übertragbar sind“, sagt Catarina Almqvist Malmros vom Karolinska-Institut in Stockholm. Zusammen mit Tove Fall von der Universität Uppsala und weiteren Kollegen wertete sie anhand nationaler Melderegister Daten sämtlicher Kinder aus, die zwischen 2001 und 2010 in Schweden geboren wurden – das waren mehr als eine Million. Dabei untersuchten die Forscher unter anderem den Zusammenhang zwischen einer Asthmaerkrankung im Alter von sechs Jahren und dem Kontakt zu Hunden oder Nutztieren im ersten Jahr nach der Geburt.

Bei 4,2 Prozent der Sechsjährigen wurde Asthma diagnostiziert. Für diejenigen, die Kontakt mit Hunden hatten, sank das Asthmarisiko um 13 Prozent im Vergleich zu denen, die in hundefreien Wohnungen aufgewachsen waren. Bei Kontakt mit Tieren eines Bauernhofs war der Unterschied mit 52 Prozent deutlich größer und entsprach den auch in früheren Studien erzielten Werten. Die Zusammenhänge erwiesen sich unabhängig davon, ob die Eltern von Asthma betroffen waren und ob das Kind ältere Geschwister hatte oder nicht. Diese Aussagen könnten für Eltern hilfreich sein, die darüber nachdenken, ob und wann sie einen Hund anschaffen sollten, schreiben die Autoren.

Wie alle derartigen epidemiologischen Untersuchungen weist auch diese Studie nur statistisch relevante Zusammenhänge aber keine ursächlichen Beziehungen nach. Es liegt jedoch nahe, die Ergebnisse aufgrund der verbreitet akzeptierten Hygiene-Hypothese zu erklären: Demnach beeinflusst der Kontakt mit Umweltkeimen in der frühen Kindheit die Reifung des Immunsystems. Ist das Kind einer besonders großen Vielzahl unterschiedlicher Keimarten ausgesetzt, kommt es später seltener zu allergischen Immunreaktionen gegen harmlose Fremdkörper. Das Zusammenleben mit einem Hund erweitert das Artenspektrum an Mikroben, die im Hausstaub nachweisbar sind, und könnte dadurch das Allergie- und Asthmarisiko verringern. Anders sei die Situation, wenn ein Kind bereits eine Allergie gegen Hundehaare entwickelt hat, sagt Malmros. Dann müsse natürlich der Kontakt mit einem Hund vermieden werden.

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